Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Was bleibt, auch wenn die Erde bebt

Pastor Markus Nietzke (Hermannsburg) erinnert an ein Detail aus Antonio Vivaldis Leben.

– Plötzlich rumst es und tönt entsetzlich. Die Erde zittert. Sie bebt. Schnelle Stöße. Es zischt. Das Wasser am Canale Grande in Venedig ist aufgewühlt, die Wellen schlagen heftig an den Rand der Kanäle. Als ob es kocht, das Wasser! Ein Schrecken ohne Ende. Menschen schreien. Panik macht sich breit. Ziegel auf den Dächern kommen ins Rutschen. Fallen in die Tiefe. Schlagen laut in den engen Gassen der Stadt auf und zersplittern. Leute rennen aus den Häusern, halten sich die Hände schützend über den Kopf. Unheimliches Grollen rollt über die Stadt hinweg. Venedig am Freitag, dem 4. März 1678.

Nahe der Chiesa San Giovanni  geht das zögerliche Weinen eines neugeborenen Babys in diesem lauten Getümmel und Geschrei unter. Ein kleiner, rothaariger Junge ist es. Die Eltern sind besorgt: Ganz gesund sieht er nicht aus. Er atmet schwer. Ob er gleich nach der Geburt stirbt? Der Erstgeborene? Was kann man da machen? In die nahegelegene Kirche zu eilen hat keinen Sinn, dafür bebt die Erde zu schwer und es droht das Gebäude einzustürzen. Was also tun? Das, was jetzt dran ist! Schnell, eine Schüssel mit Wasser finden, den Vater bitten, das Kind festzuhalten. Dann ist es soweit: Die junge Mutter stützt sich kurz auf. Die Hebamme spricht: „Antonio, ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Geschafft. Es ist eine Nottaufe. Trotzdem: Gerettet! Erleichtert atmen die Eltern auf. Jetzt steht jedenfalls fest: Antonio ist getauft. Mit Christus in den Tod. Aber, wie Christus auferweckt ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so soll der kleine Antonio auch mit Christus durch Gottes Kraft in Ewigkeit leben. Selbst wenn ein Erdbeben Venedig zerstört. Oder Antonio nur wenige Stunden auf dieser Erde verbringt. Auch wenn Antonio zeitlebens eine labile Gesundheit haben wird. Im Kirchenbuch eingetragen werden kann der Name des Erstgeborenen später auch noch: „Antonio Vivaldi“. Das geschieht dann am 6. Mai 1678.

338 Jahre ist das her. Antonio Vivaldi erklärte selbst einmal, er leide „an einem Übel, das mich seit meiner Geburt bedrängt“.

Trotzdem gilt: Wenn wir mit Christus verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. (Paulus an die Römer, Kapitel 6). Ohne Makel, ohne Fehl und Tadel.

Es gilt: Für Antonio Vivaldi, wegen seines roten Haars liebevoll genannt: ‚Il Prete Rosso‘, „der rote Priester“. Es gilt. Auch Dir. Mir. Uns. Der Anspruch auf die Ewigkeit ist damit endgültig geregelt!

Markus Nietzke

 

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