Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Volontariat in Tshwane, Südafrika

… Als jemand, der noch nie in Afrika war und trotz aller Berichte und Dokumentationen im Vorfeld kaum vermochte, eine Vorstellung zu haben, wie dieser Kontinent, dieses Land und die Missionsarbeit wohl sein mögen, ließ ich mich vom ersten Tag an ohne Wertungen und Vorurteile auf diesen Einsatz ein.

Zunächst wurde ich darin bestätigt, dass es wirklich unmöglich ist, sich eine wirkliche Vorstellung von zuvor genanntem zu machen. Dieses Land ist anders als alle die ich bisher sah und in seiner Vielfalt ständig neu und interessant.

Vor allem der krasse Unterschied von Arm und Reich, die teilweise so nah beieinander wohnen, dass die soziale Schere, welche hier sehr weit auseinander geht, fast täglich ins Auge fällt, ist sehr extrem. Ebenso wie der Nationen-, bzw. Stämmemix. Aufgrund der wirtschaftlichen Stärke Südafrikas, gerade im Vergleich zu den anderen Länder, scheint der Kapstaat der Anlaufpunkt für die schwarzafrikanischen Völker zu sein, die hier versuchen, sich ein gutes Leben aufzubauen. Man trifft Äthiopier, die von ihrer illegalen Einwanderung per Boot und Lastwagen erzählen, man sieht des Nachts VW Busse vollgeladen mit teilweise 15 Personen aus Simbabwe, die nichts dabei haben als ihre Kleidung und einen Koffer. Wohin sie von dem Fahrer gebracht werden, wissen sie warscheinlich selbst nicht. Was man auch dazu lernen muss ist, dass Äthiopier nicht gleich Äthiopier, Sudanesen nicht gleich Sudanesen und auch oder vorallem Südafrikaner nicht gleich Südafrikaner sind. Jede Nation spaltet sich noch in unzählige Stämme, die alle eine eigene Sprache und Identität besitzen. Nicht umsonst sind derer 11 offizielle Landessprachen in Südafrika. Ein weiteres Beispiel ist das der Äthiopier, die sage und schreibe 85 verschiedene Stämme und damit verbunden Sprachen haben! Die offizelle Sprache ist zwar Amaharik, doch jeder Stamm hat nochmal eine komplett andere Lokalsprache. Und wir beschweren uns, dass wir die Bayern so schlecht verstehen! Diese Vielfalt in Nationen, Stämmen und Identitäten ist mir vorher völlig unbekannt gewesen und eine ganz neue Erfahrung, welche ich auch noch nie vorher hätte machen können.

Ich bin sehr froh, dass dieser Nationenmix auch am Seminar hier herrscht. Aus Südafrika, Liberia, Nigeria, Botswana, dem Südsudan etc. kommen die Studenten. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sich die einzelnen Nationen im Verhalten und ihrer Art unterscheiden. Und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass diese Unterschiede teilweise so offensichtlich sein würden. Mit fast allen versteht man sich jedoch schnell gut und hat einen sehr freundlichen Umgang. Trotz der Tatsache, dass die Gespräche teils kaum tiefer gehen als bis zum Wetter oder dem Geschmack des Mittagsessens, ist es eine Atmosphäre, in der ich als unerfahrener Deutscher mich sehr schnell einleben und wohlfühlen konnte.
Zu dieser Atmosphäre tragen auch die „Offiziellen“ am Seminar bei. Sekretärin Salome Smith, mit der der andere Volontär Jonathan und ich meist zusammenarbeiten, ist sehr freundlich, manchmal sogar zu freundlich, macht es uns dadurch aber sehr leicht mit ihr auszukommen. Wir versuchen sie so gut es geht zu entlasten und helfen ihr bei allen Alltagsproblemen, seien es kleine Büroarbeiten oder Fahrdienste. Wir stehen ihr während des Arbeitstages zur Verfügung und erledigen ansonsten unsere große Hauptaufgabe: Registrieren und Einsortieren der 3000 Bücher umfassenden Bücherspende. Diese Aufgabe wird uns wohl beide noch bis zum Ende unserer Einsätze beschäftigt halten, da allein die Masse an Büchern erschlagend ist. Doch Step-by-Step kriegen wir das schon hin.
Bischof Weber war sogar so freundlich, uns zu sich nach Hause einzuladen. Der Anlass war zwar jeweils Fußball, doch war es ein sehr willkommener Anlass, um die Familie Weber und den Bischof bei einem super leckeren südafrikanischen Barbecue kennenzulernen.
Besonders gut gefallen mir auch die amerikanischen Professoren und Lektoren, welche immer mal wieder am Seminar erscheinen. Sehr interessante Menschen und gute Gespräche, welche man erfahren darf.
Alles in allem war der erste Monat bereits sehr interessant und verging wieder so schnell, dass ich mich frage, wo er geblieben ist. Ich habe nun noch knapp 3 Monate Einsatzzeit hier in Pretoria und freue mich sehr darauf, denn mir gefällt es. …

Stefan Dierks

Der Artikel ist ursprünglich als Volontariatsbericht für die Lutherische Kirchenmission (Bleckmarer Mission) e.V. gedacht und wurde mit kleinen Kürzungen veröffentlicht. RZ

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