Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Schönheit des Unterwegs.

Die Schönheit des Unterwegs.
Erlebnisse, Erinnerungen und Gedanken zur Dienstreise des Missionsdirektors in Südafrika im Juni 2009.

Bleckmar (Kreis Celle) -lkm- 26.06.2009: Sechs Flugreisen, 1000km Autofahrten, zwei Übersetzer, im Koffer und Handgepäck 300 Info-Chroniken, 26 Fußball-T-Shirts, eine Bibel, Bekleidung, ein Laptop, zwei Kameras, dass alles gehörte zur Reise des Missionsdirektors nach Südafrika im Juni 2009. Im Alter von 44 Jahren ist dieses die achte Dienstreise von Missionsdirektor Markus Nietzke seit 2003 nach Afrika. Die Frage, ob sich das investierte Geld für solche Stippvisiten mit Reisekosten, Gesprächen und Besuchen denn wirklich lohnt, lässt sich mit einem einzigen Wort beantworten: „Ja!“. Spannend ist lediglich die Frage: Für wen denn?

Die Reise im deutschen Sommer 2009 fing nicht gut an: Der Flug Hannover nach Amsterdam fiel aus, eine Maschine war defekt. Alle weiteren Flüge wurden daher verpasst. Eine Umbuchung wurde nötig, um auch wirklich rechtzeitig zum 12. Juni 2009 in Pretoria zu sein. Aber das bleibt die einzige Schwierigkeit der Reise.

Am Morgen des 11. Juni ging es in Johannesburg gleich im ersten Gespräch um Verwaltungsangelegenheiten. Die Missionsarbeit vor Ort wird aus dem Ausland finanziert. Obwohl man das nicht vermutet, sind allerlei Belange dabei zu berücksichtigen. Sich darüber auszutauschen, kostet Zeit und Geld. Mittags ein Gespräch an der Universität Pretoria mit dem Vizekanzler der Theologischen Fakultät. Es geht darum, ob ein SELK-Professor aus Deutschland an der Uni angestellt werden kann oder soll. Am Nachmittag Anstellungsgespräche mit zwei künftigen Missionaren der LKM, Paul Mosenogi und Jim Gumede. Sie werden in Gaborone und Kanye als Missionare arbeiten. Am Abend eine Sitzung des Vorstands der „Mission of Lutheran Churches“, in der es erneut um Verwaltungsangelegenheiten geht. Spätabends heißt es Quartier bei Missionar Wittenberg in Arcadia nehmen. So endet der erste lange Tag der Reise. Was bringt es? Klarheit in Fragen, die offen geblieben waren. Vergewisserung, dass manche Entscheidungen der Missionsleitung vorab berechtigt sind und Bestand haben können. Missionare, denen man konkret abspürt, sie haben Lust und Freude an neuen Aufgaben in Botswana.

Am Samstag steht eine Erholungsphase an: „Eindrücke mitnehmen, Afrika kennen lernen!“, so bezeichnet Anette Lange aus Bleckmar diesen Tag. Als neue Verwaltungsangestellte der Mission ist diese Dienstreise in Verwaltungsdingen wichtig. Aber ein Blick in die Schönheit Afrikas und ein Gespür für die Schönheit solchen Reisens soll ihr nicht verwehrt bleiben. Bei aller Arbeit im Auftrag der Mission: Die Seele muss auch ankommen. Und so durchquert die Reisegruppe tagsüber kurz den Nordwesten des alten Transvaals. Am Abend treffen sich alte Bekannte in Pretoria. Beim Duft von Braaivleis und entkorktem Rotwein werden Aspekte des Lebens heute in Südafrika ausgetauscht. „Ich war noch nie in Soweto!“ bemerkt einer der Anwesenden, „obwohl ich mein Leben lang in Südafrika wohne und viel in der Welt unterwegs war!“ Vor dem Aufbruch in ferne Welten einen Blick auf das werfen, was wir schon zu kennen meinen, kann durchaus erhellend sein, so ein Resümee dieses Tages.

Der Höhepunkt der Reise ist ohne Zweifel der Besuch am Sonntag in Soweto. Die Gemeinde Mofolo-North feiert ihr 50-jähriges Bestehen und hatte dazu eingeladen. Von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr dauert der Festgottesdienst, abwechslungsreich mit Liedern, Gebeten, Predigt, Ansprachen, Grußworten. Im Rahmen der Veranstaltung spricht auch Missionsdirektor Nietzke für die Lutherische Kirchenmission: „Wir freuen uns mit euch. Wir durften den Anfang (die Gemeindegründung) als Missionswerk mit einem unserer Missionare und vielen einheimischen Mitarbeitenden mitgestalten. Zur Freude gehört für mich auch, einen kleinen Rückblick über die 50 Jahre zu wagen: Und siehe: Wir haben als Missionswerk wohl auch manche Träne gesehen, die zur Zeit der Apartheid aufgrund von Ungerechtigkeit geflossen ist, aber sie nicht weggewischt. Ich bitte euch als Missionsdirektor der ‚Bleckmarer Mission‘ -wie ihr uns kennt- um Entschuldigung. Lieber heute gesagt, als nie.“ Im Nachgang sagt ein Betroffener: „That gives us comfort“. In einer E-Mail wenige Tage an den Missionsdirektor später ist auch zu lesen: „I hope your travel back home was pleasant. I was really touched by your speech at the 50th Anniversary at Mofolo Congregation. I think it takes a real man to be as bold as you were in front of the multitude and say what you said. May the Almighty grant you strength to go on with you task as your mission to do so.“ Das bewegt selbst einen gestandenen Missionsdirektor im Nachhinein noch. Wie viel von dem, was unsere Missionare in treuer Missionarbeit getan haben ist noch in so guter Erinnerung. Aber auch die Schattenseiten der Arbeit sind nicht verborgen geblieben. Endlich wird es einmal ausgesprochen! In Erinnerung an die Worte des Lehrers Nun Mokone vor knapp 50 Jahren in Deutschland: „Ich bin ein Kind der Mission“ kann der Missionsdirektor als gebürtiger Südafrikaner auch sagen: „Ich bin ein Kind der LCSA.“ Applaus und reichlich Händeschütteln nach dem Gottesdienst machen deutlich, wie sehr man sich gerade über diesen Besuch freute.

Der Rest der Reise spielt sich im Wesentlichen im Großraum Durban ab. Die Missionare Meyer, Tiedemann und P. Weber werden besucht. Weiterführende Dienstgespräche werden dabei geführt: In der Wohnstube, am Kaffeetisch, im Auto, auf dem Sofa, am Strand. Ein ausführliches Gespräch mit dem Dekan der KwaZulu-Natal-Diözese, Dekan Twala, findet in Shongweni am Montagnachmittag statt. Es geht um das Engagement der Missionare und neue Optionen für die Gemeinden Umlazi und Ntala. Missionar C. Weber wird Anfang 2010 nach Durban wechseln und dort mitarbeiten. Daher gibt es einen kurzen Besuch in Umlazi bei Durban, wo südafrikanische Gastfreundschaft spürbar wird. (Wild-)Fremden Besuchern aus Deutschland wird im Pfarrhaus ein Glas Cola und eine Reihe „Plaatkoekies“ gereicht, allein auf das Wort des derzeitigen Vakanzpastors hin: „Sie kommen aus Deutschland. Von der Mission. Sie grüßen euch.“ Ein Besuch beim ergrauten über 80-jährigen Pastor Lubete in Umlazi schließt sich daran unmittelbar an. Sichtlich bewegt und gerührt über diesen Besuch lässt der altgewordene Mann die Väter der anwesenden Missionsarssöhne (Nietzke, Weber) grüßen: „Wir erinnern uns an euch!“. Erneut: Cola und Kuchen stehen bereit. Gelebte Gastfreundschaft. Mitten in Umlazi. Am späteren Dienstagnachmittag kommt es zu einer Begegnung mit dem Kirchenvorstand der FELSISA-Gemeinde Durban-Westville, um über „due dilligence“ zu sprechen, sprich: das gemeinsame Ausloten, was missionarisch gesehen heutzutage in der zweitgrößten Stadt Südafrikas „eigentlich dran“ wäre. Wir eilen nach Umhlangeni: Südafrika spielt im Twenty/20 Kricket — und gewinnt.

Thuthukani: Lasst uns vorwärts gehen, eine Kindertagesstätte in den Hügel um Mafu und Port Shepstone im Entstehen begriffen. Dort wird ein Baum wird am Mittwochvormittag eingepflanzt, „damit die Kinder sich noch in Jahren unter seinem Schatten ausruhen können“, wie Missionar Peter Weber in seiner Ansprache sagt. Zum „Event“ gehört auch, das Pflanzloch vom Würdenträger ausheben zu lassen. Die Geschenke aus dem Kindergottesdienst der Kleinen Kreuzkirchengemeinde Hermannsburg werden überreicht. Sie lösen Tränen der Freude aus, Grüße werden hin und her ausgetauscht. Mittagessen beim Pastor der FELSISA-Gemeinde. Wieder Gastfreundschaft pur. Am Abend: Gegrillter Fisch und Fußball. Beim Tor dröhnt es durchs ganze Tal: „Bafana, Bafana!“

Der Donnerstag ist wieder Reisetag: Durban-Johannesburg-Pretoria. Erneut geht es um Verwaltungsangelegenheiten: Steuerpflichten, Steuerrecht für Missionare im Ausland: Kein einfaches Thema. Wenigen ist bewusst, dass die Missionare zwar SELK-Gehälter (d.h. Ein Euro-Gehalt) bekommen, aber in Südafrika ein Drittel weniger Nettogehalt bekommen als vergleichsweise Missionare in Deutschland. Missionare zählen im sich verändernden Südafrika zu den Höchst-verdienenden im Land. Am Abend: Rückkehr nach Deutschland.

Was kennzeichnet solch eine Reise nach Südafrika? Empfänglichkeit ist wohl ihr wichtigstes Merkmal. Sich dem immer wieder Neuen (auch wenn manches vertraut scheint) mit Demut nähern, ohne dem geht es nicht. Reisereaktionen werden entscheidend davon geprägt, was wir erleben, in wessen Begleitung wir uns befinden und welche Bilder und Erwartungen wir über eine solche Reise haben. „Aus wenigem viel zu machen verstehen, dieses erlebe ich bei jeder Reise nach Afrika“ merkt der Missionsdirektor -wieder am Schreibtisch in Bleckmar- an. „Spuren solcher besonderen Reise-Erlebnisse prägen auch künftig mein Leben. Aber noch sind die Erinnerungen frisch. Ich möchte sie nicht so schnell verblassen lassen, wenn es geht.“

——————–
Eine Meldung von selk_news /
Redaktion: SELK – Mission /
Autor: Markus Nietzke, Missionsdirektor

Antworten