Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Predigt zur Trauerfeier für Missionar i. R. Dr. Friedrich Dierks

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet. 1. Kor. 8,9

Liebe Angehörige, bes. liebe Hanna und Kinder, liebe Mittrauende!

Es ist schon lange her, dass Friedrich mich bat, die Predigt bei seiner Beerdigung zu halten. Vielleicht, weil ich damals sein Gemeindepastor war, weil wir uns recht gut verstanden. Aber ich denke, was uns am meisten verbunden hat, war die offene und freie Freude am Evangelium: dieser Reichtum, der uns geschenkt ist durch Christus. Es gibt einen Reichtum für die Armut unserer Herzen, das ist die Botschaft vom Armutsweg Christi für uns durch Leiden und Sterben zur Herrlichkeit.

Mit dem Bibelwort, das Friedrich für seine Bestattung aufgegeben hat, ist Missionar Dierks damals nach Afrika gegangen. Wie diese Botschaft ihn begleitet hat, will ich versuchen an drei Begegnungen mit ihm zu predigen. Viele von Euch könnten sicher weit mehr sagen.

– Meine erste Begegnung mit Friedrich war in Groß-Oesingen. Wir hielten eine Kinderwoche mit dem Thema Mission. Mit den Kindern spazierten wir nach Klein-Oesingen zu seinem Elternhaus. Dort unterm Schirm wartete Missionar Dierks auf uns. In seiner freundlichen Art erzählte er den Kindern von Afrika, vom Leben der Eingeborenen und ihrer Kultur. Doch vor allem hörten wir von dem Heiland, den er bringen durfte. Mir wurde damals etwas deutlich: Seine Botschaft: Christi Armut – Reichtum für die Heiden sollte nicht armen Heiden den Reichtum europäischen Geisteslebens bringen, sondern armen Sündern den Reichtum der Gnade in ihre Lebenswelt tragen.

Missionar Dierks der mit seiner lieben Frau, wie man ihn zuerst nannte: unter den Ruinen lebte, versuchte – selbst in eigenen ärmlichen Verhältnissen – mit Wort und Tat etwas von der reichen Liebe Christi weiter zu geben.

Ein Beispiel, das er später selbst erzählte, mag mehr reden als viele Gedenkworte. Ein junger Schwarzer fand zurück zum Glauben:

“Als er noch zu Hause war, hatte er erlebt, dass der damals noch junge weiße Missionar Dierks zu seiner Großmutter gerufen wurde und mit ihr gebetet hatte. Aber danach war etwas geschehen, was sich ihm unvergesslich einprägte: Weil die alte Frau ins Hospital gebracht werden musste, nahm der junge Weiße die schwarze Großmutter auf seine Arme, trug sie selbst in sein Auto und fuhr sie zum Hospital, – weiter nichts. Aber dass dies ein junger weißer Mann für seine arme schwarze Großmutter tat, das hatte dem Enkel etwas gezeigt von der Liebe und Barmherzigkeit Jesus.” – Mag uns der Reichtum der Liebe Christi hier an seinem Sarg wieder rufen: Bleibt in Wort und Tat Botschafter der guten Nachricht, über der inneren und äußeren Armut unserer Mitmenschen!

– Die zweite Begegnung liegt viel später. Friedrich war nach schwerer Herzoperation in Bremen geistig sehr geschwächt, sehr vieles war aus seinem Gedächtnis wie ausgelöscht. So musste er noch längere Zeit in einer entsprechenden Krankenstation verbringen. Ich besuchte ihn dort. Liebevoll fragte er immer wieder: „Wie geht es dir und deiner Familie?“ Viel weiter kamen wir im Gespräch nicht. Zum Schluss betete ich bekannte Worte aus dem 31. Psalm: HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit! Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

Ergriffen und sehr erstaunt schaute er mich an: „Das kannte ich überhaupt noch nicht. Wo steht denn das? Ich möchte es gern nachlesen.“

Betroffen verließ ich das Krankenhaus. Wie arm kann unser Leben werden, sodass alle verloren geht. Und trotzdem ist es die reiche Botschaft Gottes, die uns wieder neu bewegen kann.

Die Gnade unserer Herrn Jesus Christus war nicht nur etwas, was er verkündigen durfte. Sie war das, was auch seine innere Armut wieder neu reich machen durfte, und das nicht nur in seiner Krankheit sondern auch im angefochtenen, belasteten Alltag seinen Lebens.

Möge das auch uns hier trösten, dass die Botschaft Christi auch unserer Dunkelheiten durchdringt: Auch über unserer Trauer, auch unserer Schwachheit, Verlorenheit, Versagen und Schuld steht: In deine Hände befehle mich meinen Geist, du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. – Solch ein Gebet wünsche auch gerade Dir weiterhin, liebe Hanna, die du so viele leichte und schwere Wege mit Friedrich gegangen bist.

Meine dritte Begegnung: Die Angehörigen eines guter Freundes und Mitmissionars, der allerdings nicht der SELK angehörte, baten Friedrich um die Beerdigungspredigt. Friedrich war unsicher. Er fragte mich, ob er es tun dürfe und solle. Ich machte ihm fröhlichen Mut dazu: Es geht doch auch dort um die frohe Botschaft von der Auferstehung.

Er entschloss sich, ja zu sagen und bat mich um einen Tipp für die Ansprache. Ich gab ihm die folgende Geschichte mit, die er dann verwertete: – Ein Missionar in Neuguinea suchte lange Zeit vergeblich nach einer passenden Übersetzung des Wortes HOFFNUNG. Man übersetzte es zunächst mit WARTEN, war sich aber bewusst, wie wenig damit ausgedrückt wurde.  – Im Jahr 1909 musste er drei Kinder in Deutschland zurücklassen. In Neuguinea wurde der Missionarsfamilie ein Söhnchen geschenkt. Die Freude war groß. Doch als das Kind kaum ein Jahr alt war, wurde es todkrank und starb. – Der Missionar erzählt:  „Wie ich am nächsten Vormittag den Sarg zimmerte und Tränen flossen, beobachtete mich aufmerksam ein Eingeborener. Endlich fing er teilnahmsvoll an:

 ‚Dein Sohn ist tot, werdet ihr jetzt weggehen?‘ –  ‚Nein!‘

 ‚Aber ihr werdet auch sterben, und was machen dann eure Kinder?‘

 ‚Die sind in Gottes Hand.‘

 ‚O, Herr, sagte der Eingeborene -und eine Träne glänzte in seinem dunklen Auge-, was seid ihr Jesus-Leute für Menschen! Ihr habt andere Herzen als wir. Aber nicht wahr – Ihr könnt durch den Horizon sehen?‘

 ‚Ja, sagte ich, ‚mein Freund, das können wir: Wir sehen durch den Horizont in den Himmel hinein.‘ – Da ging es mir durch den Sinn: Das gibt ein schönes Wort für HOFFNUNG! –

Wir dürfen heute hier am Sarg von Dr. Friedrich Dierks dankbar gegen Gott zurückschauen an den Reichtum seines Lebens und Wirkens, mit dem Gottes Liebe sein Leben erfüllt hat und Euch, seine Familie, beschenkt hat.

Wir dürfen heute mit ihm auch seine Armut bekennen, die auch sein Leben belastet hat, sein Versagen, seine Schwächen, sein Misslingen. Doch das wird überstrahlt und bedeckt von der Armut Christi am Kreuz, die Friedirch Dierks Leben immer wieder reich werden ließ in Gottes Wort, in Beichte und Abendmahl.

Doch größer als alles Gedenken auch an den wissenschaftlichen, sprachbegabten und heimatverbundenen Dr. Friedrich Dierks bleibt uns heute über allem Rückblicken und Trauern dieses Wort für HOFFNUNG.

Fröhlich weitet sich unser Blick hin zu dem Reichtum, den Friedrich jetzt hat. Wir schauen gläubig-dankbar durch den Horizont des Todes auf den Reichtum des Himmels, den Christi Armut ihm jetzt endgültig schenkt.

Uns möchte für unsern Lebensweg bleiben, was Dr. Friedrich Dierks nun in die Ewigkeit leiten darf:  Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.  Amen

Pfarrer i.R. Matthias Griesheimer

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