Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Lutherkirche Durban: Online-Gottesdienste zur Zeit des „Lockdown”

von Christoph Weber

30.4.2020 / lkm — Es sind schon 31 Tage her, dass Südafrika in den sogenannten „Lockdown“ eingestiegen ist. Als Gemeinde hatten wir schon am Sonntag, den 15. März, beschlossen, dass wir den Gottesdienst ab dem 22. März über Facebook „live streamen“ wollten. Es gab in den sozialen Medien ziemlich schnell Witze (oder „Memes“), wie über Nacht Pastorenfrauen zu Sound-Techniker werden — bei uns ist unsere Tochter Lydia schon länger mit der Technik vertraut, die wir in der Lutherkirche sowieso gebrauchen, um sonntags die Powerpoint-Präsentation zu zeigen und für die Ton-Aufnahme oder Übertragung. Wir haben regelmäßig schon die Predigt vom Sonntag über WhatsApp an die Gemeindegruppe geschickt (als „Voicememo“/Tonaufzeichnung).

In der Mission haben wir schon länger die Funktion der Videokonferenzen genutzt. Dafür hatten Missionsdirektor Roger Zieger und ich uns schon im Dezember hier in Südafrika eine Vorführung angeguckt über technische Möglichkeiten mit extra Kamera und Lautsprecher. Als es deutlich wurde, dass eine Ausgangssperre verhängt werden sollte, haben wir uns entschieden, die Kamera und den Lautsprecher zu kaufen. Leider war wegen der plötzlichen großen Nachfrage der Lautsprecher nicht sofort lieferbar, also haben wir nur die Kamera – am Tag vorm „Lockdown“ – bekommen. Den ersten Sonntag am 22. März haben wir die Aufnahme noch „frei-Hand“ gemacht. Weil man normalerweise ein Telefon nicht über eine Stunde stillhalten kann, ist die erste Videoaufnahme eine ziemliche Zumutung für den Zuschauer. Roger Zieger hat uns dann aber ein Link vom Concordia Publishing House aus den USA geschickt. Dort hat einer der Technik-Experten eine einfache Einführung über „Live-Stream“ für Pastoren gemacht. Das hat Lydia und mir sehr geholfen. Wir konnten die kostenlose Software (OBS) herunterladen und dann wurden wir in den nächsten Sonntag immer „besser“. Jetzt konnten wir die komplette Powerpoint-Präsentation in den Film mit einbauen. Das dauert alles ein bisschen, aber somit kann der Zuschauer die kompletten Gottesdiensttexte mitlesen.

Ein Vorteil der Ausgangssperre ist ja, dass von der Familie unter Umständen alle zuhause sind. Cornelia war sowieso dieses Jahr nach ihrem Studium wieder zuhause, aber David macht sein Studium „online“ und Lydia und Maria sind ja sowieso noch zuhause, gehen aber in dieser Zeit ja auch nicht zur Schule. Weil wir genau neben der Kirche wohnen, können wir Sechs den Gottesdienst gestalten. Unsere Versuche auch andere miteinzubeziehen durch einspielen von Musik usw. haben bis jetzt nicht geklappt. Aber die Tonaufnahme wurde auch besser, seitdem wir alle in ein Mikrofon singen oder sprechen können. Der Gottesdienst wird dann live über Facebook gestreamt. Die Facebook Seite heißt: „Lutheran Church Durban“.

Der Unterschied zwischen Profis und Anfängern wie wir bleibt natürlich auch — zur Ehrenrettung der Profis. Immer mal wieder geht etwas schief oder vergessen wir eine Einstellung vorher zu prüfen. Am meisten Schwierigkeiten bereitet uns das sehr unzuverlässige Internet. Wir wohnen leider in einem Gebiet, in dem es kein ADSL oder Glasfaser gibt, sondern nur LTE. Das ist eigentlich schnell genug, aber seit dem „Lockdown“ ist es sehr unstabil. Schon zweimal konnten wir den Gottesdienst nicht live zeigen, sondern mussten ihn später als gespeicherten Film hochladen. Dann bekommt man aber längst nicht so gute Zuschauerzahlen wie, wenn manm ihn live zeigt. Diese Woche, werden wir dann doch den Gottesdienst schon am Samstag aufnehmen, und ihn am Sonntag um 10 ins Netz stellen.

Interessant ist die Funktion bei Facebook, dass man sehen kann wie viele Leute erreicht wurden: Wie viele das Video angeklickt, und sogar wie lange die Leute geguckt haben. Das ist etwas ernüchternd – Karfreitag wurden über 1000 Leute erreicht, davon haben aber nur 11 den Gottesdienst angeguckt und davon sind sogar nur 5 die ganze Zeit dabeigeblieben.

Eine Herausforderung für viele ist, dass sie kein Internet zuhause haben und deswegen über ihr Handy Daten verbrauchen müssen. Da ist ein Video über Facebook, das über eine Stunde dauert, schon recht viel (an die 2GB). Letzten Sonntag habe ich eine niedrigere Auflösung genommen, da waren es „nur“ 750 MB. Es hören daher immer noch Leute, gerade aus der Gemeinde, die Predigt eher auf WhatsApp.

Jeden Tag verschicken wir seit dem Lockdown eine Andacht, die von einer Gruppe Pastoren und Missionare an die FELSISA-Jugend geschickt wird. Ich verschicke dann noch eine von mir vorgelesene Zulu-Andacht aus dem Andachtsbuch von Missionar Heinrich Dammann.

Schon vor der Ausgangssperre war es schwierig, dass Gemeindeglieder sich abends zu einer Gemeindeveranstaltung aufmachen. Da haben wir schon länger eine live Bibelstunde als Videokonferenz angeboten. Es machen regelmäßig drei Familien mit. (Eine davon ist unsere.) Wir hatten aber schon verschiedene Gäste aus dem Bleckmarer Missionshaus, aus Berlin und aus Lüneburg (Südafrika). Diese Bibelstunde findet Dienstag abends statt und ich lade über unsere Facebook-Seite und die WhatsApp-Gruppe ein.

Meine Frau Sigrid hatte mit den Studenten freitags nach dem Volleyball Bibelstunde gehalten. Seitdem sie alle zu Hause sind, hat sich ein Student gemeldet, ob sie diese Bibelstunde nicht über WhatsApp weiter führen können. Sigrid macht also mit den Studenten jetzt zweimal die Woche eine Bibelstunde über Voice-Messages (wie eine Telefonkonferenz) bei WhatsApp.

Viele Eltern, die ihre Kinder in unseren Kindergarten schicken, sind besonders hart getroffen durch den „Lockdown“. Viele können kein Geld verdienen und kommen daher bald auch an die Existenzgrenze. Sigrid hat auf unterschiedliche WhatsApp Gruppen einen Aufruf nach Spenden gemacht, damit wir Essenspakete verteilen können. Wir haben jetzt schon über 160 Leuten helfen können. Wir können recht günstig Grundnahrungsmittel bei einem Großhändler kaufen. Nur einmal hat die Polizei Sigrid bei einer Strassensperre nicht durchgelassen. Wir konnten jetzt auch eine Geldspende an die Kongolesengemeinde schicken.

Wer weiß, wie lange das alles noch dauern wird. Letzten Monat konnten das Kindergartenpersonal noch von den Reserven des Kindergartens bezahlt werden. Wir wollen heute nochmal versuchen, staatliche Hilfsmittel zu beantragen.

Online-Predigt von Missionar Christoph Weber vor leeren Kirchenbänken am 26. April 2020

 

 

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