Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

LKM knüpft Kontakte nach Mosambik

Die Woche vom 18. bis 25 Juni 2015 werden die Pastoren Roger Zieger, Christoph Weber und ich (Rev. Carlos Winterle) nie vergessen. Am 25.6. trafen wir uns am Flughafen Johannesburg und flogen zusammen nach Beira in Mosambik. Nachmittags kamen wir dort an. Silva, unser Fahrer, wartete schon auf uns, um uns direkt zur Buchhandlung der Bibelgesellschaft (Foto oben) zu fahren, wo wir Studienbibeln auf Portugiesisch und Neue Testamente in der Chisena-Sprache für die 20 neuen TEE-Studienanfänger kaufen wollten. (TEE ist ein Theologisches Ausbildungsprogramm). Wir verbrachten die Nacht in einem Gästehaus in Beira.

Am nächsten Tag, dem Freitag, fuhren wir fast neun Stunden nach Sena, [4000-Einwohner-Stadt am Sambesi], wo die „Concordia Lutheran Church – Mosambik“ ihren Sitz hat. Dort erwarteten uns acht Kandidaten des Predigtamtes, die uns herzlich begrüßten. Nach fünf Jahren beenden Sie gerade ihre TEE-Ausbildung. Am 9. August sollen sie ordiniert werden.

In Sena: Tischgemeinschaft mit den zuküftigen Pastoren.

In Sena: Tischgemeinschaft mit den zuküftigen Pastoren.

Samstagmorgen feierten wir einen Gottesdienst in Cado und abends in Sena. Liturg war einer der zukünftigen Pastoren, wir drei Besucher predigten. Mehrere Erwachsene und Kinder wurden getauft und das Mahl des Herrn gefeiert. Sonntag wurden Gottesdienstes in Chemba und Fevereiro gefeiert. Am Montag besuchten wir die Kirchen in Kapasseni, Zambesi, Sabonete, Mpango und Murrema, wo wir Grußworte ausrichteten und mit den Gemeinden beteten. Die Menschen warteten schon auf dem Weg zur Kirche auf uns und vor den Kirchen sangen sie, klatschten in die Hände, tanzten und zeigte ihre christliche Freude. Vier der Kirchen sind noch Hütten und die anderen sind sehr einfache Steinhäuser. Dienstag besuchten wir die jüngste Gemeinde, Mutara, anderthalb Stunden zu Fuß entfernt, wobei wir zu Fuß auf einer Brücke den Sambesi überquerten.
Es war ein eindrucksvoller Augenblick: In einer der Kirchen, als ich die Täuflinge fragte: „Entsagt ihr dem Teufel und all seinem Werk und Wesen“ – und, wohl wissend, welche große Rolle böse Geister in den traditionellen afrikanischen Religionen spielen, hinzusetzte: „und entsagt ihr allen bösen Geistern?“, da antworteten alle „Ja!“ und eine alte Frau rief: „Niemals wieder! Niemals wieder!“

Carlos Winterle tauft

Rev. Carlos Winterle tauft

Andrang zur Taufe Mosambik

Andrang zur Taufe

Kleines Kind wird getauft

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ….“ Rev. Carlos Winterle und Missionsdirektor Roger Zieger beugen sich mit der Taufschale zu einem kleinen Mädchen herab, das gekommen ist, um die Taufe zu empfangen.

Junge Gemeinde

Die Gemeinde vor ihrer Kirche

 

Wir trafen uns auch mit dem Häuptling des Dorfes Sena, Mr. Adamo, mit den acht zuküftigen Pastoren, den 20 neuen TEE-Kandidaten und mit anderen Leuten aus dem Ort.
Da die Lutherische Kirche in Mosambik bis jetzt nie einen ordinierten Pastor hatte, musste man immer warten, bis ein Pastor aus Brasilien kam, um zu taufen und das Abendmahl zu feiern. In vier Gottesdiensten, die wir besuchten, fanden 117 Taufen statt: 37 Erwachsene und 80 Kinder. Die anderen Gemeinden müssen noch bis Juli warten, dann kommt wieder ein ordinierter Pastor aus Brasilien, um die TEE-Ausbildung durchzuführen, zu taufen und das Abendmahl zu feiern.

Die Lutherische Kirche in Mosambik entstand seit 2006, als Joseph Kembo Alfazema*, ein nach Kanada geflüchteter Mosambikaner, seine Mutter besuchte und nach Missionsmöglichkeiten ausschau hielt, denn er war in Kanada Pastor der Lutherischen Kirche Kanada (LCC) geworden, einer Schwesterkirche der Selbständigen Ev.-Luth. Kirche (SELK) in Deutschland, der Trägerkirche der LKM. Ich begegnete ihm 2007 auf einem Treffen in Mosambik und er bat um Hilfe bei der Ausbildung einheimischer Pastoren für die neue Kirche, die dort heranwuchs. Ich bot ihm das TEE-Programm des Concordia-Semiars der Evangelisch-Lutherischen Kirche Brasiliens (IELB) an und er begann 2010 einen Kurs mit dreiwöchigen Ausbildungsblöcken einmal im Jahr. Die acht Kandidaten kamen seither einmal monatlich zusammen um die Inhalte zu wiederholen. Pastor Alfazema, der Gründer der Kirche, konnte ihnen zu Anfang eine große Unterstützung geben, jedoch musste er 2011 aus gesundheitlichen Gründen zur Behandlung nach Kanada zurückkehren. Die acht Kandidaten waren jedoch nicht entmutigt, nun auf sich gestellt zu sein. Sie arbeiteten noch fleißiger, dienten den entstandenen Gemeinden und breiteten die Kirche sogar noch aus. In vielen abgelegenen Siedlungen fragt man nach ihnen und möchte, dass sie kommen und das Evangelium verkünden, aber sie können wegen der weiten Wege nicht überall hin kommen.

Nach ihrer Ausbildung und Ordination werden sie die nächsten 20 Kandidaten anleiten. Kirchenvorsteher von allen 10 Gemeinden, die bisher gegründet wurden, sind in dem neuen Ausbildungsjahrgang, und sie helfen jetzt schon mit im Gottesdienst, sie besuchen Leute und bezeugen das Evangelium. Wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind, werden sie an neue Orte gesandt werden.

Die Türen für das Evangelium sind offen in Mosambik und die Herausforderungen sind gewaltig. Die Menschen sind fürs Überleben auf ihre kleinen „Machambas“ (Farmen) angewiesen, und sie haben nicht mehr zu essen, als sie dort ernten: Mais, Reis, Bohnen, Sorghum-Hirse … Manche halten Hühner und Gänse. Auch Sesam wird angebaut und verkauft. Straßenhandel sieht man in Sena, dem Haupt-Dorf. Obwohl die Pastoren kein Gehalt haben und die Kollekten bei den Gottesdiensten sehr klein sind, sind sie trotzdem froh, Gott zu dienen. Die Lutherische Kirche Brasiliens stiftete vor drei Jahren jedem Studenten ein Fahrrad, und in diesem Jahr bekam jeder der acht Kandidaten ein Motorrad, so dass sie die entfernteren Gemeinden von ihren eigenen Dörfern aus besser erreichen können.

In den TEE-Unterrichtsblöcken 2012 half mir Pastor Horst Kuchenbecker (Brasilien), Pastor Andre Plamer seit 2013. [Pastor Plamer hat bei früheren Aufenthalten in Mosambik einige kurze Videos  vom Leben der Kirche gemacht, die hier angeschaut werden können, Anm. mb.]
MLC (Mission of Lutheran Churches) aus Südafrika ist nun unser Partner in dieser Mission, nachdem Missionsdirektor Zieger und LKM-Repräsentant Christoph Weber Mosambik besucht haben, wo sie das Evangelium teilten mit bisher nicht davon erreichten und zu keiner Kirche gehörenden Menschen.
Ich möchte hier zitieren, was Gott zum Apostel Paulus sagte: „Fürchte dich nicht, rede und schweige nicht. Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.“ (Apg. 18,9+10). Tatsächlich, Gott hat ein großes Volk in Mosambik, die zum Heil durch den glauben an Jesus Christus gerufen werden sollen. Nach unserem Besuch können wir bezeugen, dass dies wahr ist und wir preisen Gott für seine Treue, in der er immer noch SEine Boten bis an die Enden der Erde aussendet, um SEine Erwählten zu retten.

(aus dem Englischen übertragen von M. Benhöfer)

Der Autor, Rev. Carlos Winterle ist seit 2011 Pastor der Lutherischen St. Thomas-Gemeinde in Kapstadt. Er ist Brasilianer und diente von 1973 bis 2006 der Lutherischen Kirche Brasiliens. Von 2006 bis 2010 war er Pastor in Kenia. Über seine Arbeit schreibt er seit 2007 in seinem Blog. Dort findet sich auch die englische Version des obigen Artikels mit einer ganzen Reihe weiterer Fotos.

* Über das damals entstandene Kapasseni-Projekt gibt es englischsprachige Film-Reportagem auf YouTube: Journey to Kapasseni und Return to Kapasseni. In den Filmen erfährt man auch einiges über Land und Leute.

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