Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Eine Gemeinde an mehreren Orten – die Multi-Site-Kirche

 „Noch mehr Arbeit! Tja, wenn ich dafür nur Zeit hätte.“ Das mag manch ein Pastor denken, wenn er das Gelesene im Missionsblatt als Anforderung an seine Tätigkeit sieht. „Sollen wir das jetzt auch noch machen?“ Da sind die Berichte der Missionare, Projekte mit Kindern, Ausländern und Gefangenen, Ideen und Erfahrungen von den Kollegen aus dem Missionsfeld – und jetzt kommt noch ein Artikel über Gemeinde an verschiedenen Standorten.

Aber anstatt zum Arbeitspensum hinzuzufügen, könnte dieser Artikel verdeutlichen, dass so einiges an missionarischer Tätigkeit in den SELK-Gemeinden geschieht. Insofern gebe ich erstmal Entwarnung, und auch Mut weiterzumachen.

Multisite

Was ist Multi-Site Kirche?

Eine Multi-Site-Kirche ist eine Gemeinde, die sich an mehreren Standorten trifft. Das Konzept ist den meisten SELK-Gemeinden gar nicht unbekannt. Wir nennen das meistens Zweitgemeinde oder Predigtort. Darin bedienen wir oft eine vor Generationen gewachsene Gemeindestruktur.

Im Unterschied dazu werden in der Multi-Site Kirche solche Verhältnisse mit Absicht geschaffen: Gottesdienste werden an verschiedenen Orten angeboten. Es ist eine Art Gemeindepflanzung, aber eine, bei der die Setzlinge eng mit der Muttergemeinde verbunden bleiben.

Zweck und Ziel

Die Multi-Site Kirche ist nicht das einzige Mittel, aber es kann dabei helfen, dem Missionsauftrag Jesu von Matthäus 28 zu gehorchen und mehr Menschen zu erreichen. Anstelle zu warten, dass die Menschen in unser Kirchgebäude kommen, bringen wir die Kirche in ihre Nähe. Jesus sagte ja auch in Markus 16,15: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“ Hingehen also, statt warten.

Mal ein Beispiel: In Brüssel feiern wir unsere Gottesdienste mit der englisch-sprachigen Gemeinde im Kirchgebäude der deutschen protestantischen Gemeinde. Dies liegt in einem Stadtteil von gehobenem Lebensstandart, fern von den sozialen Brennpunkten, die in anderen Stadtteilen herrschen. Deren Bewohner würden kaum unseren Stadtteil besuchen kommen. Da können wir lange warten. Deshalb planen wir, uns anderorts fortzupflanzen.

Ein neuer Standort hilft, andere Menschen zu erreichen und verhindert, dass sie dafür lange Wege zurücklegen und unbekannte Orte aufsuchen müssen. So bleibt die Kirche im sprichwörtlichen Dorf und die Menschen praktizieren ihren Glauben in der Gemeinschaft, mit der sie auch sonst ihr Leben teilen.

 Wie sieht eine Muli-Site Kirche aus?

Kirche an verschiedenen Standorten ist für die SELK nichts Neues. Damals hat der Pastor seine Predigt auf Schusters Rappen oder hoch zu Ross von einem Ort zum anderen gebracht. Heute geht das mit mehr Pferdestärken unter der Haube. Viele von den Multi-Site Kirchen benutzen andere Vehikel um die gute Botschaft an die verschiedenen Orten zu bringen: Die Übertragung der Predigt über Satellit auf mehrere Standorte gleichzeitig. Das ist zur Zeit noch die Minderheit, die den Worten eines auf die Leinwand projektierten Predigers lauscht. Es wird dann doch noch der Pastor aus Fleisch und Blut bevorzugt. Ich wette jedoch, dass es genug Menschen gibt, die eine Übertragung der Predigt per Satellit, etwa im Altenheim, begrüßen würden. Die Technik heutzutage birgt bisher unzählige und bezahlbare Möglichkeiten. Die Kirche hat sich schon immer die technischen Neuerungen zueigen gemacht, man denke allein an die Bedeutung der Druckpresse für die Reformation. Ich kann mir vorstellen, dass Sie damit ihren Pastor entlasten könnten, wenn Sie ihn per Satellit „einfliegen“ liessen.

Für einen zweiten oder dritten Campus (so der Name für die verschiedenen Standorte der Gemeinde) gibt es so viele verschiedene Modelle wie es Menschen gibt. Manche Kirchen behalten überall die selbe Gottesdienstordnung, andere erlauben Varianten, je nach Kontext und Zielgruppe des jeweiligen Standortes.

Manche kommen gleichzeitig an den verschiedenen Campus zusammen, andere bieten unterschiedliche Zeiten an. Zum Beispiel, anstelle zu einen „Jugendgottesdienst“ im selben Kirchgebäude einzuladen, verlegt man ihn an einen neuen Ort: in die Aula einer Schule, das Dorfgemeinschaftshaus, oder das alternative Jugendzentrum. Und anstelle gleichzeitig mit dem traditionellen Gottesdienst am Sonntag morgen zu beginnen, feiert man am Samstagabend oder am Sonntagnachmittag. Die Wahrscheinlichkeit, so Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, ist um ein vielfaches höher.

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, ein eingeschworenes Team für jeden Campus zu haben, dessen Mitarbeiter beten, planen, einladen und durchführen – und so zum Gelingen des Muli-Site-Projektes beitragen.

Wie auch immer sie geartet sind, über eins ist man sich einig: Alle Gottesdienste der Gemeinde sind allesamt gleichwertig.

Schlussstrich

Wie immer gibt es auch hier Vorteile und Nachteile. Gut ist, dass man eine neue Ausgangsbasis für die Verbreitung der Guten Nachricht gewinnt: Bei der Wahl eines neuen Standortes ist die geographische Lage einer der wichtigsten Faktoren. Negativ ist dagegen, wenn man zu viel auf  Technik etwa zur Predigtübertragung setzt: Wenn dann die Internetverbindung nicht aufgebaut werden kann, fühlt man sich schnell abgekapselt.

Wir sind in Brüssel noch nicht fertig auszudenken, was es heißt, Gemeinde Jesu Christi am Anfang des 21. Jahrhunderts zu sein. Wir bleiben flexibel und offen für Konzepte und Ideen aus aller Welt. Was wir uns wünschen, ist nur das eine: Den Willen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus zu tun, Menschen mit ihm bekannt zu machen und sie in seine Nachfolge zu rufen. Möge das an vielen Orten geschehen. Mulit-site eben.

Matthias Tepper, Brüssel

Zwei links – eine Beispielgemeinde und ein Informationsheft:

  • Eine lutherische Mulit-Site Gemeinde unserer amerikanischen Schwesterkirche LCMS, die St. Lukasgemeinde in Ann Arbor, Michigan: www.stlukeaa.org
  • Ein PDF-Dokument zum kostenlosen herunterladen

www.movements.eu

Antworten