Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Die wahre Grusel-Background-Story vom Tag vor Halloween ;-)

Luther kämpft gegen ein Monster, das die römische Kirche seiner Zeit darstellen soll, die die Beste Botschaft aller Zeiten zum Schweigen bringen will. Das Bild aus einem Flugblatt der Lutherzeit war unfreundlichste Polemik, aber man war damals nicht zimperlicher als heute, wenn es darum ging, den Gegner möglichst finster darzustellen-

Liebe „Süßes-sonstgibts-Saures“-Kinder, liebe Trägerinnen und Träger von Horrormasken, Hexenhüten und extra ekligem Glibberblut, bevor ihr euch zum diesjährigen Umzug von Haustür zu Haustür aufmacht, um unschuldige Menschen zu erschrecken und ihnen Schokolade und Fruchtgummis abzupressen, haltet einen Moment inne und bedenkt, dass ihr den größten Grusel der Weltgeschichte nicht mehr toppen könnt. An den erinnert der Tag vor dem Halloween-Abend. Dieser größte Grusel der Weltgeschichte ging so:

Vor 2000 Jahren hat sich jemand mit dem Teufel selbst angelegt, und zwar gründlich. Und kam ums Leben. Es floss echtes Blut und es wurde stockfinster und Tote kamen aus ihren Gräbern und es war überhaupt der gruseligste und schrecklichste Moment der Weltgeschichte. Nicht nötig, ihn mit Masken und Kunstblut aufzupeppen, sondern es war ungeschminkte Reality, so horrorhart, dass es zum Weglaufen war. Was Viele damals auch taten.

Und der Teufel glaubte für einen kleinen Moment, er habe gewonnen.

Allerdings hatte hatte das Ganze für ihn einen dicken Haken: Der sich mit dem Teufel angelegt hatte, kam zwar ums Leben – aber im selben Moment machte er dem Teufel sein liebstes Spiel kaputt: Menschen bei Gott anklagen und zur Hölle fahren lassen. Zur Erklärung sei angemerkt: Der Teufel war immer nur so stark wie das, womit er jeden Einzelnen vor Gottes Gericht verklagen konnte, nach dem Motto: „Ihr elenden Sünder, vom ersten Tag eures Lebens scheitert ihr an Gottes Willen. Das könnt ihr zwar verdrängen oder schönreden, aber ich, der Teufel, kenne eure Schuld gaaanz genau und – da könnt ihr sicher sein: Ich werde sie vor Gott genüsslich, minutiös ausbreiten, damit ihr vor dem jüngsten Gericht durchfallt und zur Hölle fahrt. Und dann gehört ihr miiir.“ (Hier dürft ihr euch gerne das hämisches Lachen mit dem gewissen Echo vorstellen, wie man es aus Halloween-Werbespots kennt. Falls euch das hilft, euch die Szene vorzustellen.)

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja: Was aber, wenn da für den Teufel nichts mehr genüsslich auszubreiten wäre? Was, wenn ein Einzelner alles auf sich genommen hätte, was der Teufel als Anklage gegen jedes Mitglieder der Menschheitsfamilie vorbringen könnte? Tja, so war es tatsächlich: Jesus hatte alles auf sich gezogen, was je ein Mensch dem Teufel als Anklagegrund geliefert hatte und war daran & damit gestorben. Jesus (der Sohn Gottes!) war den Tod gestorben, den ihr, liebe Halloween-Fans, und ich und Alle hätten sterben müssen. Warum hatte er das gemacht? Aus Liebe zur Menschheit, weil Gott uns für den Himmel und nicht für die Hölle gemacht hat. Ja, ich weiß, das klingt unglaublich. War aber so.

Nach drei Tagen weckte Gott Jesus von den Toten wieder auf und der Teufel fiel aus allen Wolken. Nach all dem blutigen Horror von Karfreitag begrüßte Jesus seine Freunde mit dem Satz: „Fürchtet euch nicht!“ – was diesen zugegebenermaßen erstmal sehr schwer fiel. Wer nimmt es schon cool hin, wenn jemand, der gerade noch tot war, wieder lebendig ins Zimmer tritt? Doch nach den ersten Schrecksekunden fürchteten sie sich tatsächlich nicht und ließen sich von Jesus in die Welt schicken und Menschen überall einladen: „Fürchtet euch nicht! Jesus hat dem Tod und dem Teufel die Macht weggenommen. (Und der Hölle geht das menschliche Brennmaterial aus.) Verlasst euch auf Jesus, dann gehört euch der Himmel und die Ewigkeit!  Das alles gib es ganz umsonst, allein aus lauter Gnade Gottes!“ (Fußnote: Dies Losgehen überall hin mit der besten Botschaft aller Zeiten nennt man übrigens „Mission“.) Mit dieser besten Botschaft breitete sich der christliche Glaube aus.

Weil aber der Kern dieser Botschaft ausgerechnet in der Kirche (!) über längere Zeit mehr als unklar geworden war, erinnerte vor 500 Jahren jemand mit Namen Martin Luther wieder daran. Am 31. Oktober 1517 nagelte er an eine Kirchentür in seinem Wohnort ein Plakat mit 95 Sätzen („Thesen“), in denen er klarstellte, was der größte Schatz der Kirche – und überhaupt – ist, nämlich diese beste Botschaft aller Zeiten (genannt „Evangelium“) von der Gnade Gottes. Die Kirchenoberen damals wollten Luthers Erinnerung nicht so gerne hören und versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen. Daraus wurde nichts, aber lange und heftig musste Luther kämpfen, damit die beste Botschaft wieder zu den Leuten kam.

Man stellte Luthers Kampf damals gerne schön gruselig dar – siehe das Bild zu diesem Text. Das hatte nichts mit Halloween zu tun, und sowohl Martin Luther als auch die anderen Leute damals hätten sich über unsere heutige Gruselsitte, ausgerechnet am Abend des 31. Oktober, doch sehr gewundert. Denn sie wussten, dass der Obergrusel zu Ende und überwunden ist: Der übelste Horror von Hölle, Tod und Teufel wurde ja von Jesus besiegt, als er dem Teufel „Saures“ gab (was der verdient hatte) und den Menschen „Süßes  (was sie nicht verdient hatten). Jesus drehte den Spieß zu unsern Gunsten um. Nun kann der Teufel sehen, wo er bleibt.

Dass der echte Teufels-Horror überwunden ist, das ist für mich, ehrlich gesagt, viel reizvoller als der Pillepalle-Halloweengrusel mit Glibberblut und Hexenhut, und dass man von mir Süßes verlangt, damit ich nicht Saures kriege. Gott nimmt mir das ewig Saure und gibt mir das ewig Süße. Daran lass ich mich am Reformationtag gern erinnern. Und abends erinnere ich auch euch Gruseltruppen an meiner Haustür daran und gebe euch gerne was Süßes. Nicht aus Furcht vor dem Sauren, sondern … weil auch Gott mir ja Süßes gibt. 🙂

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