Lutherische Kirchenmission

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Begeisterung für Bücher: Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse (3)

Chen Jianghong stellt „An Großvaters Hand“ vor. Präsentation im Forum Kinder- und Jugendbuch. Halle 3. Frankfurter Buchmesse. Mittwoch, 14. Oktober 2009, 16.30 Uhr bis 17.00 Uhr.

Es ist Mittwochnachmittag auf der Buchmesse geworden. Im Forum Kinder- und Jugendbuch herrscht gegen 16.25 Uhr eine gespannt-neugierige Atmosphäre, trotz des Summens der vielen Stimmen an den Buchständen. Ein letztes Schlecken am Eis vom Stand nebenan, die Reihen im Forum füllen sich langsam. Der Abbau der vorherigen Veranstaltung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Laptop, Mikrofon-verkabelte Sprecherinnen aus der Türkei (die eben noch miteinander diskutierten) werden entkabelt, Gläser werden von den Tischen weggeräumt. Die Vorbereitungen für die zu 16.30 Uhr angekündigte Präsentation des Buches „An Großvaters Hand“ von Chen Jianghong, veranstaltet vom Moritz-Verlag, laufen an.

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Zu den Vorbereitungen gehört es, dass Buch mit der Titelseite zum Publikum hin aufzustellen. Dann betritt der Gewinner des Jugendbuchpreis 2005 in der Sparte Bilderbuch für „Han Gan und das Wunderpferd“ die Bühne: fröhlich, freundlich, aufgeräumt. Gut 70 Leute haben sich im Forum eingefunden. Markus Weber vom Moritz-Verlag selbst stellt den Autor weiterer Kinderbücher vor: Junger Adler („Ein Buch für kleine Jungs“), Lian („Das entsprechende Buch für Mädchen, ähnlich wie die Geschichte ‚Vom Fischer und sien Fru'“) oder Tigerprinz („Die Märchenwelt Asiens verknüpft sich mit der Europas“). Jetzt aber hat Chen Jianghong eine ‚biografic‘ (engl.) Erzählung in deutscher Sprache (2009) vorgelegt. Chen erzählt darin, wie er in China aufgewachsen ist. Der deutsche Titel „An Großvaters Hand“ nimmt Bezug auf ein Bild in der Mitte der Erzählung, im französischen Original (2008) heißt es „Mao et moi“. Chen, der 1963 in China geboren ist, erzählt und malt aus seiner Kindheit und lässt dabei die Zeit der Kulturrevolution in China aus Sicht eines Kindes aufleben. Seinen Großvater, der Lehrer war, bezeichnet er als „prägende“ Gestalt, er erzählt auch -eher nebenbei- von einer Frau Lui, bei der er Musik über Schallplatten hört, die er später, erst als er als Erwachsener in Europa lebt, als Musik von Mozart wieder erkennt. Frau Lui wird irgendwann verhaftet und zur Umerziehung verschickt. Das gleiche Schicksal trifft übrigens auch Chens Vater. Das Buch wird kundig von Markus Weber vorgestellt, mittels einer PDF-Präsentation.

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Nach der Präsentation werden einige Fragen gestellt, beispielsweise, wie es mit Chen Jianghong weiterging. 1987 kam er zum Kunststudium nach Paris, seither lebt er dort. „Als Kind hatte ich keine Bilderbücher“ antwortet er auf die Frage, wie es kommt, dass er erst seit 1994 Kinderbücher schreibt und malt. „Mit 31 Jahren habe ich durch das Schreiben und Malen meine zweite Kindheit erlebt.“ Im Vergleich China damals und heute bemerkt Chen: „China hat sich sehr verändert.“ Ob er zurückkehren würde? Hier wird der Raum still, man merkt, hier geht es zur Sache. „Ich fühle mich dort fremd, auch wenn ich die Sprache kann und meine Eltern noch heute dort wohnen. Vielleicht bin ich einfach zu lange weg?“ Dann nennt Chen eine weitere wertvolle Erfahrung: Der Abschied aus dem Heimatland ist vergleichbar mit einem tragischen Moment, aber ohne Verlusterfahrung. Wer lange Zeit im Leben unterwegs ist, macht die Erfahrung: „Wenn Du Dich finden willst, verliere Dich erst selbst.“ Eine Reise bildet nicht nur, in Anlehnung an das Sprichwort, sondern lange Reisen über weite Strecken und längere Zeiten verändern den Menschen auch.

Text und Fotos (c) Markus Nietzke, 18. Oktober 2009, Bleckmar. Bild 1: Vorbereitungen, Bild 2: Präsentation, Bild 3: Im Gespräch.

 

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