Lutherische Kirchenmission

Bleckmarer Mission

Aus dem Heim in die Kirche – oder

VON DER KIRCHE IM UNTERGRUND BIS ZUR

KIRCHE MIT DEM HÖCHSTEN TURM IM ORT

Das erste Mal als ich nach Elbisbach in Sachsen gefahren bin, konnte ich den Kirchturm schon von Weitem erkennen und habe vom Drahtesel aus gedacht…“Na, ob das schon Elbisbach sein könnte?“  Damals bin ich einfach  aufs Geratewohl ins Asylbewerberheim Elbisbach gefahren, Migranten zu treffen und erste Kontakte zu knüpfen.  Elbisbach ist ein ganz kleines Dorf.  Es gibt neben dem Asylbewerberheim nur eine Gaststätte und die genannte Dorfkirche.  Die Kirche selber hat eine spannende Geschichte.  Im 17. Jahrhundert gab es einen Streit im benachbarten Ort Hopfgarten.  Der Streit ging nur darum, dass das Schloss in Hopfgarten den Kirchturm des gleichen Ortes überragte.  Das galt damals als Verstoß.  Auf Grund dessen haben die Gemeindeglieder aus Hopfgarten eine Kirche in Elbisbach gebaut, dessen Turm das Schloß in Hopfgarten überragen sollte.   Deshalb hat die Kirche in  Elbisbach so einen hohen Turm, den man, bei klarem Wetter, selbst vom 16km entfernten Borna sehen kann.   Den damaligen Christen ging es darum, deutlich zu machen, dass der Staat nicht die Kirche beherrschen darf!  So viel Mühe und so viele Kosten haben sie auf sich genommen, damit das auch in der Architektur deutlich wurde.

Martin Luther hat mit der Zwei Reiche Lehre die Trennung von Staat und Kirche erklärt.  Dafür sind wir heute dankbar.  Die kleine Gemeinde aus Migranten, die sich inzwischen  in der Dorfkirche in Elbisbach versammelt hat, weiß nämlich, was es bedeutet, wenn der Staat Religionsstaat ist.     Es sind zurzeit Migranten aus Iran, Libanon und Syrien dabei.   Einer der persischen Migranten kommt aus der Untergrundkirche Irans. Sein Vater ist als Leiter einer Hausgemeinde im Gefängnis zu Tode gefoltert worden, weil er vom Islam in das Christentum konvertiert ist.  Andere Familienangehörige sind  einfach verschwunden.  Bis heute, weiß man  nicht, was aus denen geworden ist.  Deshalb ist dieser junge Mann heute in Deutschland.  Er freut sich, dass er hier nicht mehr im Untergrund, sondern ganz offen in die Kirche mit dem hohen Turm hineinspazieren kann.  Manchmal ist er traurig darüber, dass seine Brüder und Schwester immer noch im Iran leiden müssen.  Manchmal ist er auch darüber traurig, dass die Menschen in  Deutschland so wenig von dieser Freiheit, in den Gottesdienst zu gehen, Gebrauch machen.  „Wisst ihr eigentlich, was für ein Vorrecht ihr habt, hier Religionsfreiheit zu haben?“ fragt er immer wieder.

In der Kirche in Elbisbach feiern wir seit einiger Zeit einen Gottesdienst in dieser Kirche, die zu dem Zweck gebaut wurde, den Staat zu übertreffen!  Der Gottesdienst wird auf deutsch, persisch und arabisch gefeiert.  Jeden Freitag um 11 Uhr versammeln wir uns zum Gottesdienst.  Der Gottesdienst ist von daher noch interessant, dass sich die Migranten, immer schrittweise, der Feier eines christlichen Gottesdienstes annähern können  Zunächst gab es überhaupt keine Lieder und die Liturgie wurde jeweils auf deutsch/persisch und arabisch gesprochen.  Dann haben wir uns daran gewöhnt einige Teile des Gottesdienstes zu singen.  Währenddessen gab es immer auch eine Erklärung, was die Handlungen und Lieder eigentlich bedeuten.  In dieser Weise wurde der Gottesdienst nicht sozusagen „en block“ und als Fremdkörper überstülpt, sondern wir konnten immer nur das praktizieren, was wir auch verstehen.  Dazu lernen wir auch persisch christliche Lieder!  Mit anderen Worten solche Lieder, die im Ursprung persisch sind und nicht von anderen Sprachen übersetzt wurden.  Einige Teile des Gottesdienstes werden aber auf deutsch gesungen, denn wir wollen ja auch in Deutschland integriert werden und nicht dauernd als Fremdkörper gesehen werden.   Inzwischen wissen alle Dorfbewohner, dass am Freitag um 11 Uhr die Kirchglocken zu einem besonderen Gottesdienst einläuten. Manchmal kommen auch neugierige Dorfbewohner dazu.  Gelegentlich kommen sogar andere Migranten aus Vietnam dazu (wir suchen zu diesem Zweck dringend auch noch einen vietnamesischen Übersetzer).  Inzwischen sind wir eine kleine Gemeinde mit bis zu 20 Teilnehmern.  Auch im Asylbewerberheim weiß man von dem Gottesdienst und der darauffolgenden Bibelstunde im Zimmer eines Gemeindeglieds.  Die Heimleiterin kommt ganz oft selbst dazu. Sie unterstützt meine Arbeit von ganzem Herzen und sagt immer wieder:  „Diejenigen, die zur Kirche gehen, sind einfach anders geworden.“  Mit der gleichen Heimleiterin zusammen planen wir momentan gerade eine Adventsfeier. Dann wollen wir aus der Lebensmittelausgabe der Missionsgemeinde in Berlin-Marzahn ein Kleintransporter mit Lebensmitteln und anderen Sachen vollpacken und mit allen Heimbewohnern teilen.  Auch da wird den muslimischen und buddhistischen Menschen nichts überstülpt.  Sie werden aber eingeladen und auch sonst als Mitmenschen wahrgenommen und geliebt.  Allein das ist schon eine wichtige Aufgabe, die wir leisten können.  Das Schöne daran ist, dass es auch richtig spaß macht!

HG

3 Antworten

  1. manne aus marzahn

    lieber hugo
    wie heisst es so schön auf zwei hochzeiten tanzen geht schlecht ,du hast den drahtseilakt gewagt .es währe schön wenn du unseren gemeindegliedern das nahebringen könntest was du in leipzig tust
    damit etwas mehr verständnis für deine arbeit in leipzig aufgebracht wird .und den mitarbeitern von laib und seele natürlich auch .

    gottes seeegen für deine weitere arbeit in marzahn & in leipzig

    manne aus marzahn

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